Mit der Durchsetzung von Internetmedien hat sich die Variationsbreite politischer Aktivitäten in jüngerer Zeit deutlich vergrößert. Beschränkte sich politische Partizipation früher auf Wahlen, Parteimitgliedschaften oder Demonstrationen, so entstehen nun in vielen Bereichen neue, krea­tive Formen zivilgesellschaftlicher Beteiligung, die soziale Medien zur Herausbildung von themen- und praktikenbezogenen Öffentlichkeiten nutzen.

Engagementprojekte wie Community Supported Agriculture, Transition Towns oder Online Wahlprüfstein-Kampagnen mobilisieren BürgerInnen im Netz. Sie schaffen Öffentlichkeit für nachhaltige Infrastrukturen, z.B. Infrastrukturen erneuerbarer Energien oder des Bio-Landbaus. Solche Projekte lassen sich als experimentelle Formen der Medienkooperation verstehen, die neuartige Praktiken zur Erzeugung öffentlicher Aufmerksamkeit hervorbringen.

Am Beispiel kontroverser Sachfragen zur Agrar- und Energiewende werden im Teilprojekt inno­vative Medienpraktiken analysiert. Dazu werden Interviews geführt, sowie mittels ‚netnografischer Forschung‘ das Verhalten engagierter Individuen untersucht. Im Fokus stehen sogenannte zivilgesellschaftliche ‚Change Agents‘. Sie sind die zentralen Experten, die durch ihre Praktiken, Handlungsmotive, Erfahrungen und Lernprozesse die Veränderung der politischen Partizipation massiv vorantreiben.